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Französische Lepine-Kaliber

Hier folgt eine Liste der häfig verwendeten französischen Lepine-Kaliber, die zu Hauf in Rohwerke-Fabriken entstanden. Die Werke der Kaliber I, II, III, sowie frühe IVer-Kaliber besaßen fein geschliffene und feuervergoldete Platinen, Kloben und Brücken, ab ca. 1850 herum wurde das IVer-Kaliber jedoch weniger sorgfältig veredelt und vollendet.

Vorab eine kleine Zeittafel über die Kaliber und die Zeiten, in denen sie verwendet wurden:

Kaliber I:1800 - 1825
Kaliber II:1825 - 1835
Kaliber IIA:1825 - 1835
Kaliber III:1830 - 1840
Kaliber IV:1835 - 1850
Kaliber V:ab 1850
Kaliber V mit Kronenaufzug:ab ca. 1870



Lepine Kaliber I

Lepine Kaliber I - "Lepine"

Typisch für dieses frühe Standard-Kaliber ist das fliegende Federhaus mit einer Stellung, d.h. entweder die Stellung nach Lepine oder die nach Breguet mit zwei nockenbesetzten Rädern (wie hier im Bild), oder etwas später mit einer Malteserkreuz-Stellung. Benutzt wurde dieses Kaliber anfangs von Lepine und Breguet, die an der Entwicklung womöglich beteiligt waren, hergestellt wurde das Kaliber z.B. in der Rohwerkefabrik von Japy. Das restliche Räderwerk wird durch einzelne radial platzierte Kloben gehalten, die Werke waren meist mit Zylinder- (auch Rubinzylinder) oder Kommahemmung ausgestattet.
In der Regel waren diese Werke mit 22-23 Linien recht groß (50-53mm), die Gehäuse dazu meist aus Gold. Varianten des Werks gibt es mit Repetition oder unabhängiger Sekunde.
Verwendet und gebaut wurde das Werk zwischen 1810 und 1825.

Siehe auch meine Valentin Stoss - Lepine-Kaliber 1 (um 1820)
Lepine Kaliber II

Lepine Kaliber II - "Demi-Breguet / Halb-Breguet"

Dieses Werk läßt sich durch die typische Viertelplatine über dem Federhaus erkennen, samt sichtbarem Sperrad und Sperrklinke, die durch eine lange gebogene Feder angedrückt wird. Auch besitzt das restliche Räderwerk einzelne radiale Kloben für jedes Rad. Das Federhaus besitzt ebenfalls eine Stellung (z.B. Malteserkreuz). Auch hier gibt es Variationen mit Repetition oder unabhängiger Sekunde, typische Hemmungen dieses Kalibers waren die Zylinder- und auch schon Ankerhemmung.
Verwendet und gebaut wurde das Werk zwischen 1825 und 1835.

Siehe auch meine Schlüssel-Taschenuhr (ca. 1830)
Lepine Kaliber IIA

Lepine Kaliber IIA - "Breguet"

Dieses Kaliber kam gleichzeitig mit dem Kaliber 2 auf, hier wird das Federhaus jedoch von einem massiven Kloben gehalten, der denen in Breguets Souscriptions-Uhren sehr ähnlich sieht. Das Räderwerk besitzt hier auch gemeinsame Kloben. Dieses Werk wurde fast nur von Breguet verwendet, auch oft mit Repetition.
Lepine Kaliber III

Lepine Kaliber III

Das Kaliber 3 entstand um 1830, erstmals findet sich das Federhaus unter einer gebogenen Brücke, die sich zu einer Seite hin verjüngt. Das Räderwerk besitzt hier einzelne Kloben, die radial angeordnet sind. Dieses Kaliber wurde bis 1840 gebaut und verwendet.
Lepine Kaliber IV

Lepine Kaliber IV

Das Kaliber 4 entstand um 1835 mit einer ebenfalls gebogenen Federhausbrücke, die sich zu einer Seite hin verjüngt, das Räderwerk ist auch hier durch radial angeordnete kloben gehalten, jedoch findet sich erstmal das Minutenrad unter einer Brücke mit einem typisch gebogenen Endstück. In ersten Ausführungen verjüngenen sich die Kloben zur Mitte hin, später sind sie durchgängig gleich breit. Dieses Kaliber wurde bis 1850 gebaut und verwendet.

Siehe auch meine Schlüsseltaschenuhr Stauffer, Geneve
Lepine Kaliber V

Lepine Kaliber V

Das Federhaus dieses Kalibers befindet sich nun unter einer geraden Brücke, die Kloben des Räderwerks sind nicht mehr radial, sondern parallel zur Federhausbrücke angeordnet. Ab ca. 1870 herum wurde dieses Kaliber auch durch einen Kronenaufzug erweitert.


Die Abbildungen entstammen dem Buch von Adolphe Chapiro: "Taschenuhren aus vier Jahrhunderten. Die Geschichte der französischen Taschenuhr".